Freitag, 19 Juli 2019 12:39

DELFINE IN DELFINARIEN LEBEN LÄNGER ALS IHRE WILDEN ARTGENOSSEN

Link: https://www.openpr.de/news/1055291/DELFINE-IN-DELFINARIEN-LEBEN-LAeNGER-ALS-IHRE-WILDEN-ARTGENOSSEN.html

Philipp J. Kroiß

Photo: Tursi & Gypsi en Dolphin Reserach Center | Foto: Dolphin Reserach Center

Eine kürzlich veröffentlichte Studie hat gezeigt, dass erwachsene Große Tümmler in US-Delfinarien so lange oder länger leben als ihre Artgenossen in der Natur. Im Allgemeinen wird die Langlebigkeit von Tieren in menschlicher Obhut als Indikator für das Wohlbefinden der Tiere verwendet. Es gibt jedoch auch andere Fakten, die das Wohlergehen der Tiere in professionellen, akkreditierten und zertifizierten Einrichtungen belegen.

 
ERWACHSENE DELFINE IN DELFINARIEN LEBEN MEHR ALS 10 JAHRE LÄNGER

Die Datenbasis für Populationen in der Natur waren anerkannte Studien zu diesem Thema, und für die Population in menschlichter Obhut war der von der US-Regierung erstellte Marine Mammal Inventory Report (MMIR) die Datenquelle. Der Vergleich dieser Daten ergab spannende Ergebnisse: Große Tümmler in Populationen des Indian River und des Mississippi Sound starben im Durchschnitt im Alter von 8,3 und 9,0 Jahren. Die Delfine der gleichen Art in Delfinarien starben im Durchschnitt im Alter von 21,0 Jahren.

Betrachtet man die mittlere Lebenserwartung, so findet man mit 17,4 Jahren die höchste in der Natur bei der Population von Sarasota Bay. Bei Verwendung der gleichen Methode, die zur Analyse der Population von Sarasota Bay verwendet wurde, für Delfine in US-amerikanischen Delfinarien betrug die mittlere Lebenserwartung 24,0 Jahre. Diese überprüfbaren Zahlen widerlegen einen bekannten Mythos, dass Delfine in der Natur länger leben als im Delfinarium.

DELFINKÄLBER MIT GUTEN CHANCEN AUF ÜBERLEBEN

Beide genannten Ergebnisse schließen die neonatale Mortalitätsrate aus, da diese in Wildpopulationen kaum messbar ist. Die geschätzte Anzahl unbekannter Fälle bei Naturbeobachtungen ist hoch, da man dort die Überwachung nicht rund um die Uhr durchführen kann, was man auch nicht finanzieren könnte. Für die Population von Sarasota Bay konnte eine Überlebensrate von 0,803 ermittelt werden - dazu gibt es aber noch eine Dunkelziffer, die nicht ermittelt werden kann.

Beim MMIR gibt es solche Probleme in der Datenermittlung nicht: In Delfinarien kann man jeden Delfin registrieren und diese Tiere werden auch entsprechend katalogisiert. Ohne eine Dunkelziffer zu haben, betrug die Überlebensrate bei US-Delfinarien 0,830. Das ist ein gutes Ergebnis. Generell haben Delfinkälber ein hohes Moralitätsrisiko, das in Menschenobhut nicht ausgeschlossen werden kann, da sie ohne Immunsystem geboren werden und das Phänomen des unerklärlichen, plötzlichen Todes von Kälbern besteht.

» Mehr dazu: http://zoos.media/medien-echo/wie-lange-lebt-delfin-delfinarium-natur-vergleich/

» Die Studie: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/mms.12601

DELFINEN GEHT ES IN MODERNEN DELPHINARIEN GUT

Die Lebenserwartung ist ein Indikator für das Wohlbefinden, aber es gibt noch andere. In modernen Delfinarien geht es Delfinen gut, da in diesen renommierten Einrichtungen die Tiere gesünder (Fair et al., 2017) und weniger gestresst (Proie, 2013 & Monreal-Pawlowsky at al., 2017) sind als ihre wilden Artgenossen. Sie nehmen auch gerne an Trainingseinheiten teil und setzen dabei Glückshormone frei (Clegg et al., 2018, Ridgway et al., 2014). Über 80 der weltweit renommiertesten Wissenschaftler auf diesem Gebiet unterstützen die Haltung von Meeressäugern in modernen Zoos und Aquarien und unterstreichen die enorme Bedeutung dieser Haltung für wichtige Naturschutzprojekte und die Wissenschaft.