Freitag, 14 Februar 2020 09:52

Wir haben es geschafft, die Gefährdung von zehn Arten auf der Roten Liste herunterzustufen

https://www.webtenerife.com/blogcorporativo/2020/01/hemos-logrado-reducir-la-amenaza-en-diez-especies-incluidas-en-la-lista-roja.html

TdT Interview mit Javier Almunia, Direktor der Stiftung Loro Parque Fundación

Der Name Loro Parque wird in der Welt immer bekannter, und seine Stiftung scheint dazu nicht wenig beigetragen zu haben, da sie sich für den Erhalt der Umwelt und der Papageien in verschiedenen Regionen der Erde einsetzt. Ihr Direktor, Javier Almunia, empfing Tourismo de Tenerife (TdT) in den Einrichtungen der weitläufigen Anlage von Puerto de la Cruz und enthüllte einige der Erfolgsgeheimnisse der Stiftung, die er leitet.

 Frage: Welche Rolle übernimmt die Stiftung?

Antwort: Sie wurde 1994 ins Leben gerufen, um sich speziell mit all jenen Aspekten zu befassen, die mit der Erhaltung der biologischen Vielfalt, der Umweltbildung, der Forschung, der Rettung oder dem Tierschutz zu tun haben - Elemente, auf die ein moderner Zoo bei der Umsetzung seiner Arbeitsstrategie setzen muss.

 

F: Sie hat keine andere werbewirksame, karitative oder soziale Rolle?

 

A: Unsere Arbeit ist zu 100 % umweltbezogen. Von allen Geldern, die der Loro Parque jedes Jahr erhält, in etwa zweieinhalb bis drei Millionen Euro, werden eine Million Euro direkt in Naturschutzmaßnahmen auf der ganzen Welt fließen. Ein Betrag, der sich in diesem Jahr fast verdoppelt, weil wir 25-jähriges Bestehen feiern. Darüber hinaus arbeiten wir neben unseren üblichen Projekten zum Schutz von Papageien, Walen, Schildkröten oder Haien mit der kanarischen Regierung an einem Vierjahres-Plan bezüglich der Untersuchung des Klimawandels im Meer, der Versauerung der Ozeane und der Erhaltung der am stärksten bedrohten Arten rund um die Kanarischen Inseln und in ganz Makaronesien. In dieses Projekt werden wir dieses Jahr 500.000 Euro investieren. Wir sind auch dabei, Land in Bolivien zu kaufen, um ein Naturschutzgebiet für eine stark gefährdete Art von Aras zu schaffen. Mit all dem werden wir fast die Summe von zwei Millionen Dollar erreichen. Das ist wirklich der grundlegende Beitrag der Stiftung zur Gesellschaft, insbesondere durch die Finanzierung von Umweltprojekten, zu denen wir die gesamte Ausbildungs- und Sensibilisierungsarbeit sowohl im Park selbst als auch in den Bildungszentren oder bei Aktivitäten am Strand, mit Müllsammelaktionen usw., den wir leisten. Schließlich gibt es die wissenschaftlichen Forschungsaktivitäten, weil wir als Unterstützung für ein internationales Netzwerk von Universitäten und Zentren arbeiten, die anhand unserer Tiere ihr Wissen erweitern, um besser zur Erhaltung der Arten beitragen zu können.

 

 F: In wie vielen Ländern sind Sie präsent?

A: In diesem Jahr 2020 entwickeln wir etwa 47 Projekte in 25 Ländern, obwohl wir während unseres Bestehens mit mehr als 180 Projekten in etwa 35 Ländern zusammengearbeitet haben. Wir arbeiten fast immer an Orten, an denen Papageien in ihrer natürlichen Umgebung vorkommen, d.h. in den äquatorialen Gebieten der Erde, wie z.B. in Mittel- und Südamerika und im tropischen Afrika und Asien, aber auch auf den Philippinen, in Südaustralien oder Neukaledonien; exotische Orte mit tropischen Ökosystemen von großer Artenvielfalt, die wir durch die Papageien zu erhalten versuchen.

 

F: Wie werden die Prozesse gestaltet und umgesetzt?

 

A: Wir haben eine Gruppe von Experten, hauptsächlich Spezialisten für die Erhaltung und den Schutz von Vögeln, die einmal im Jahr zusammenkommen und über die Verteilung der verfügbaren Mittel entscheiden. Anschließend nehmen wir Kontakt zu nationalen Regierungen auf, wie z.B. der brasilianischen, mit denen wir an der Reproduktion einer stark gefährdeten Art von Aras arbeiten, die wir im Park gezüchtet und anschließend in ihre natürliche Umgebung zurückgebracht haben, um sie auszuwildern. Wir unterhalten auch Verbindungen zu multilateralen Organisationen, die sich der Überwachung des illegalen Handels und der Kontrolle von Grenzübergängen widmen.

 

F: Könnten wir die Stiftung selbst als multinational betrachten?

A: Ja, natürlich. Die Loro Parque Fundación ist eine internationale Organisation, und wir sind im Ausland bekannt und anerkannt als die wichtigste Institution im Hinblick auf den Schutz von Papageien weltweit. Es gibt keine andere Einrichtung, die mehr Projekte finanziert und so große Erfolge erzielt hat. Es ist uns gelungen, die Bedrohung von zehn Arten, die auf der Roten Liste stehen, herabzustufen und auch bei anderen Arten die Populationen deutlich zu erhöhen.

 

F: Ohne Zweifel, große Erfolge

 

A: Absolut, Erfolge, die auch das wahre Ziel von Organisationen wie der unsrigen sind. Die Verringerung des Bedrohungsgrades einer Art ist der größte Erfolg, den man haben kann, und wird manchmal durch die Arbeit an einem einzigen Projekt über 15 Jahre erreicht. Wir haben in manche Projekte während der gesamten Entwicklung fast zwei Millionen Dollar investiert, denn Naturschutz ist eine langsame, langfristige Arbeit zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit und zur Schaffung von Alternativen für eine nachhaltige Entwicklung. Es geht nicht nur darum, den Papagei zu erreichen und zu schützen, sondern mit den lokalen Gemeinschaften zusammenzuarbeiten, denn oft sind es ihre eigenen Lebensweisen, die die Umwelt beeinflussen können. Es ist daher notwendig, ihnen nachhaltige Lebensalternativen anzubieten, um ihre Auswirkungen auf die Natur so weit wie möglich zu reduzieren.

 

F: Kann der Tourismus eine Lösung für die Nachhaltigkeit dieser Gemeinschaften sein?

 

A: Ja, in einigen Fällen, aber nicht in allen, denn die Probleme der Papageien sind sehr vielfältig. Es gibt Orte, an denen wir mit lokalen Gemeinden zusammenarbeiten, um sie nicht nur emotional, sondern auch finanziell stolz auf ihre Tierart zu machen. Oftmals schlagen wir die Schaffung von damit zusammenhängenden Kunsthandwerken wie Schnitzereien, Figuren oder ähnlichen Dingen vor, damit sie sehen, dass es einen wirtschaftlichen Aspekt gibt, und sie versuchen, diese Art zu erhalten, weil sie dadurch langfristig eine Ressource erhalten, die es ihnen ermöglicht, nachhaltig zu leben.

 

 

F: Sie reisen also sehr viel.

A: Nein, nicht viel. Wir arbeiten von hier aus und haben keine eigenen Mitarbeiter an diesen Orten, weil wir lieber mit lokalen Organisationen zusammenarbeiten. Heutzutage schickt man keine großen Experten mehr von Europa nach Brasilien, Bolivien oder Ecuador, um den Einheimischen zu sagen, was sie zu tun haben. Es gibt geschultes Personal in diesen Ländern, Biologen, Forscher, Tierärzte, und es sind die Menschen vor Ort selbst, die sich um ihre Ressourcen kümmern. Ziel ist es, durch die Finanzierung von lokalen NGOs Wissen und Erfahrung im Bereich der Erhaltung der Biodiversität im Land selbst zu generieren. Und das ist es, was wir tun.

 

F: Im Gegenzug wird das eine Menge Verwaltungsaufwand erfordern.

A: Auf jeden Fall. Eine Menge Verwaltungsaufwand, vor allem, um den Überblick zu behalten, wie unser Geld ausgegeben wird. Jeder Dollar und jeder Euro muss genau überwacht werden, damit unsere Investitionen tatsächlich für den Naturschutz eingesetzt werden. Es gibt auch viele Formalitäten rund um den Transport von Tieren, wie z.B. bei der Wiederansiedlung, die eine Menge Verwaltungsdokumente erfordert, den Transport von gefährdeten Arten über die Grenzen hinweg und für Exemplare, die zur Freilassung bestimmt sind, weil eine Reihe von Anforderungen internationaler Organisationen erfüllt werden müssen, um die natürliche Umwelt nicht zu gefährden.

 

F: Nennen Sie uns einen Meilenstein, auf den Sie besonders stolz sind.

 

A: Wir sind sehr stolz auf die zehn geretteten Arten, von denen Sie gesprochen haben. Für uns ist es das Aushängeschild unserer Organisation und der Beweis, dass eine mit einem Projekt verbundene NGO einen wichtigen Einfluss auf die Verbesserung des Naturschutzes haben kann.

 

F: Waren sie alle im gleichen Gebiet?

 A: Nein, das ist sehr unterschiedlich. Wir haben eine rosettenförmige Grafik mit Fotos von jeder der zehn Arten. Allerdings kommen sie fast alle aus Mittel- und Südamerika.

 

F: Welche Herausforderung wartet auf Sie?

 A: Von Anfang an bestand eine der Herausforderungen für Herrn Kiessling bei der Gründung der Stiftung darin, ein Schutzgebiet für Wale und Delfine in Makaronesien einzurichten. Wir arbeiten daran, aber es ist sehr komplex, drei verschiedene Länder in internationalen Gewässern zu einer politischen Einigung zu bringen. In der Zwischenzeit legen wir die wissenschaftlichen und technischen Grundlagen für den Aufbau dieser Zusammenarbeit, die zwischen den makaronesischen Archipelen wächst, und zwar auf der Grundlage wissenschaftlicher Dokumentationendie zeigen, dass sich alle dort lebenden Wale frei zwischen den Kanarischen Inseln, Madeira und den Kapverden bewegen. Dies ist ein offener Rahmen, der für die Erhaltung und das Überleben dieser Tiere notwendig ist. 

F: Auf den Kanarischen Inseln haben wir das Glück, eigene Walarten zu haben, nicht wahr?

 A: Ja, absolut. Die Kanarischen Inseln sind unter anderem deshalb im Hinblick auf die biologische Vielfaltein privilegierter Ort, weil wir bei den Inseln 80 Prozent aller Wale vorfinden, die im Nordatlantik leben. Der Archipel ist wie eine Oase, mit der diese wandernden Tiere verbunden sind, und er hat auch ortsansässige Populationen, weil wir eine Region von großembiologischem Artenreichtum inmitten des Ozeans sind. 

 

F: Wie groß ist die Besorgnis und das Engagement der Institution in Bezug auf den Klimawandel?

 A: Es ist wichtig, sich damit zu befassen, und in der Tat konzentriert sich das Projekt CanBIO, das wir mit der kanarischen Regierung durchführen, auf dieses Phänomen. Das Projekt hat eine Laufzeit von vier Jahren, begann 2019 und besteht aus der Errichtung eines Netzwerks zur Messung der Wassertemperaturen, der Versauerung der Ozeane, die im Zusammenhang mit dem C02-Gehalt der Atmosphäre steht, und Untersuchungdes Unterwasserlärms mit Hilfe von Bojen, Untersuchungsplattformen auf herkömmlichen Schiffen und Mini-U-Booten. Die Lärmverschmutzung im Meer ist auch eines der aufkommenden Probleme aufgrund des beachtlichen angestiegenen Seeverkehrs. CanBIO umfasst auch eine Abteilung, diesich um gefährdete Tierarten, wie den Engelhai und den Schmetterlingsrochen, kümmert. Einer Hai- und einer Rochen-Art, die im Meer rund um die Kanarischen Inseln leben und hier ihre letzte Hochburg haben. Zu den gefährdeten Arten gehören auch die Meeresschildkröten auf Fuerteventura, denen wir in einem gemeinsamen Projekt mit den Kapverden mit Drohnen folgen, um zu sehen, ob sie zum Ablegen ihrer Eier zurückkehren. 

 

F: ¿ Was bedeutet der Tourismus auf Teneriffa für die Arbeit der Stiftung?

 A: Obwohl Turismo de Tenerife vor allem eng mit dem kommerziellen Teil des Loro Parque verbunden ist, dient er uns als Instrument der Öffentlichkeitsarbeit, um das Interesse der internationalen Medien mit seinen Journalisten-Reisen zu wecken. Es ist eine außergewöhnliche Art und Weise, die Arbeit der Stiftung bekannt zu machen, da viele Fachmedien des Tourismus vielleicht nicht bemerken würden, dass es auf Teneriffa und den Kanarischen Inseln eine Naturschutzorganisation und gezielte Aktionen zum Schutz der Arten gibt. So stellt der Tourismus eine Plattform dar, um uns im Ausland zu präsentieren, und für den Loro Parque hat es natürlich auch noch andere Vorteile wie zum Beispiel die Teilnahme an Messen und anderen internationalen Veranstaltungen.

 

 

Wir arbeiten mit der Regierung der Kanarischen Inseln an einem Vierjahres-Plan, um den Klimawandel im Makaronesischen Meer zu untersuchen.

 

Wir unterstützen ein internationales Netzwerk von Universitäten und Zentren, die mit Hilfe unserer Tiereden Artenschutzfördern.

 

Wir sind im Ausland sehr bekannt und anerkannt als die wichtigste Institution im Hinblick auf den Schutz von Papageien weltweit.

 

 

Ziel ist es, durch die Finanzierung von lokalen NGOs Wissen und Erfahrung im Bereich der Erhaltung der Biodiversität in den Ländernselbst zu schaffen.

 

 

 

Die Kanarischen Inseln sind unter anderem deshalb im Hinblick auf diebiologische Vielfaltein privilegierter Ort, weil wir bei den Inseln 80 Prozent aller Wale vorfinden, die im Nordatlantik leben.